Geschichten · Lustige Geschichten
Bruno und der Honigtopf
Bruno findet Honig und muss entscheiden, was er damit macht.
Bruno Bär schlenderte durch den Freche-Maus-Wald. Die Sonne kitzelte seine Nase. Unter seinen Tatzen raschelte das Laub, und in seinem Bauch brummelte es.
„Frühstück wäre schön“, sagte Bruno. „Ein erstes Frühstück. Oder ein zweites. Ich möchte mich da nicht festlegen.“
Da entdeckte er etwas am Wegrand. Neben einer Bank stand ein dicker, gelber Topf. Auf dem Deckel klebte ein Blatt Papier.
Bruno beugte sich hinunter und las langsam:
„Für den Finder. Frischer Blütenhonig. Guten Appetit! Eure Imkerin vom Waldrand.“
Brunos Ohren wackelten.
„Der Finder“, murmelte er. „Das bin ja ich.“
Er hob den Deckel ein winziges Stück. Goldener Honig glänzte darin. Er duftete nach warmen Blumenwiesen und langen Sommertagen.
Bruno tunkte vorsichtig eine Fingerspitze hinein.
„Mmmmm.“
Dann noch eine.
„Mmmmmmmmm.“
Er setzte den Deckel wieder auf.
„Den nehme ich mit nach Hause. Ganz gemütlich. Ganz allein.“
Doch bei dem Wort „allein“ blieb sein Blick an der leeren Bank hängen. Dort war Platz für ziemlich viele Freunde.
Ein Topf und viele Gedanken
Bruno setzte sich auf die Bank. Den Honigtopf stellte er zwischen seine Füße.
Wenn er den Honig allein aß, konnte er heute Honigbrot haben. Morgen auch. Vielleicht sogar übermorgen.
Er stellte sich einen hohen Stapel Brote vor. Auf jedem glänzte eine dicke Honigschicht.
„Das wäre herrlich“, sagte er.
Dann stellte er sich Mimi vor. Sie würde bestimmt mit beiden Pfoten klatschen.
Emma würde vor Freude um den Tisch hüpfen. Fritz würde einen Honigwitz erzählen. Und Piet würde ganz langsam kosten und zufrieden nicken.
Bruno seufzte.
„Das wäre auch herrlich.“
Er schaute in den Topf.
Plötzlich sah der Honig viel weniger aus.
„Fünf Freunde“, rechnete er. „Fünf Bäuche. Wobei mein Bauch natürlich ein besonders großer Bauch ist.“
Im Gebüsch knackte ein Zweig.
Schnell zog Bruno den Topf unter die Bank.
Mimi Maus steckte ihre Nase zwischen zwei Farnblättern hervor.
„Guten Morgen! Warum sitzt du so komisch?“
„Ich sitze ganz gewöhnlich.“
„Mit beiden Knien vor der Nase?“
Bruno senkte die Knie.
Mimi schnupperte.
„Hier riecht es nach Blumen, die Bonbons geworden sind.“
„Vielleicht eine neue Blumensorte“, sagte Bruno.
Mimi legte den Kopf schief.
Unter der Bank machte es leise: klonk.
Bruno hatte den Topf mit seiner Tatze angestoßen.
„Eine Blumensorte mit Deckel?“, fragte Mimi.
Bruno wurde warm unter seinem Fell.
„Ich habe Honig gefunden“, sagte er schließlich. „Einen ganzen Topf.“
„Oh!“
Mimis Augen leuchteten. Dann schaute sie Bruno an.
„Darf ich mal riechen?“
Nur riechen. Das war leicht.
Bruno holte den Topf hervor und öffnete ihn.
Mimi schnupperte tief.
„Der riecht nach einem gelben Nachmittag.“
Bruno musste lächeln.
Der allerkleinste Honiglöffel
Mimi setzte sich neben ihn. Ihre Füße baumelten weit über dem Boden.
Sie fragte nicht nach einem Löffel. Sie schaute auch nicht mehr in den Topf. Stattdessen erzählte sie von einer Wolke, die wie eine Socke aussah.
Bruno hörte zu. Ein bisschen jedenfalls.
In seinem Kopf stapelten sich noch immer Honigbrote. Dazwischen saß Mimi auf einem winzigen Stuhl und hatte nichts auf ihrem Teller.
Das gefiel ihm nicht.
„Du könntest probieren“, sagte er.
„Wirklich?“
„Einen kleinen Klecks.“
Mimi zog einen Löffel aus ihrer Tasche.
Bruno blinzelte.
„Trägst du immer einen Löffel mit dir herum?“
„Natürlich. Man weiß nie, wann es Pudding gibt.“
Es war der kleinste Löffel, den Bruno je gesehen hatte.
Er füllte ihn bis zum Rand.
Mimi schleckte den Honig ab. Dann schloss sie die Augen.
„Oh“, flüsterte sie. „Der schmeckt noch gelber, als er riecht.“
Bruno lachte. Sein Lachen kullerte durch die Bäume.
„Was ist denn hier so lustig?“, rief Emma Eichhörnchen von einem Ast.
Kurz darauf kam Piet Igel den Weg entlang. Hinter ihm schlenderte Fritz Fuchs.
„Ich habe ein Bärenlachen gehört“, sagte Fritz. „Das verpasse ich ungern.“
Bruno hielt den Topf fest.
Nun waren alle da.
Mimi blieb still neben ihm sitzen.
„Ist etwas?“, fragte Piet.
Bruno strich mit dem Daumen über den Topfrand.
„Ich habe diesen Honig gefunden. Erst wollte ich ihn allein essen. Dann wollte ich ihn mit euch teilen. Und jetzt habe ich Angst, dass für mich kaum etwas übrig bleibt.“
Fritz nickte ernst.
„Ein schwieriger Fall. Besonders für einen Bauch deiner Größe.“
Bruno musste ein bisschen grinsen.
Piet schaute in den Topf.
„Du musst nicht den ganzen Honig heute aufessen. Auch nicht mit uns.“
„Nicht?“
„Wir könnten eine kleine Schale füllen. Den Rest nimmst du mit nach Hause.“
Bruno betrachtete den goldenen Honig.
Eine kleine Schale. Ein gemeinsames Frühstück. Und morgen noch etwas für sein eigenes Brot.
Seine Schultern wurden locker.
„Das klingt gut“, sagte er. „Aber wir haben gar kein Brot.“
Emma sprang auf.
„Noch nicht!“
Ein Frühstück mit goldenem Rand
Emma flitzte zu ihrem Baumhaus und kam mit Haselnussbrötchen zurück.
Piet holte eine kleine Schale und fünf Teller.
Fritz brachte Äpfel mit.
„Sorgfältig ausgesucht“, erklärte er. „Den mit der lustigen Beule esse ich selbst. Wir verstehen uns.“
Mimi rannte nach Hause, um Butter zu holen. Ihren winzigen Löffel ließ sie bei Bruno.
„Damit du nicht vergisst anzufangen!“
Bald lag eine Decke unter der alten Buche. Sonnenflecken tanzten darüber wie kleine, helle Käfer.
Bruno füllte die Schale mit Honig. Dann zögerte er kurz und gab noch einen Löffel dazu.
„Für die Brötchenecken“, erklärte er.
Sie setzten sich im Kreis.
Emma brach die Brötchen auf. Piet reichte die Teller herum. Mimi verteilte Butter, und Fritz schnitt die Äpfel in Spalten.
Bruno nahm den ersten Bissen.
Das Brötchen knackte. Die Butter war weich. Der Honig schmeckte nach Blumen und Sonne.
Neben ihm schmatzte Mimi ganz leise.
Emma hatte einen goldenen Tropfen an der Nasenspitze.
„Du hast da etwas“, sagte Fritz.
Emma schielte.
„Wo?“
„Ein Frühstück für später.“
Alle lachten. Emma wischte den Tropfen mit dem Finger weg.
Als die Schale leer war, lehnte Bruno sich an den Baum. Sein Bauch war satt. Im Topf wartete noch Honig für viele weitere Brote.
„Und?“, fragte Mimi. „War es gemütlich?“
Bruno sah auf die Krümel, die Teller und seine Freunde.
„Sehr“, sagte er.
Dann schob er Fritz die letzte Apfelspalte hin.
„Hier. Die hat auch eine lustige Beule.“
Zum Weiterdenken
Was hätte Bruno mit seinem Honig noch machen können? Hast du schon einmal etwas gern geteilt und trotzdem einen Teil für dich behalten? Wen würdest du zu einem Honigfrühstück einladen?