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Der Wettlauf um die letzte Nuss
Emma Eichhörnchen und Fritz Fuchs streiten um eine Nuss und lernen zu teilen.
Emma Eichhörnchen sauste durch den Freche-Maus-Wald. Ihr buschiger Schwanz hüpfte hinter ihr her wie eine kleine, rote Wolke. Unter der alten Hasel blieb sie stehen.
Da lag eine Nuss.
Eine dicke, runde, wunderbare Nuss.
„Dich habe ich gesucht!“, rief Emma.
„Und mich hast du gefunden“, sagte jemand hinter dem Stamm.
Fritz Fuchs trat hervor und grinste.
„Ich meine die Nuss“, sagte Emma.
„Wie schade. Ich hatte mich schon gefreut.“
Beide streckten eine Pfote aus. Beide berührten die Nuss. Und beide riefen gleichzeitig: „Meine!“
Eine Nuss, zwei Nasen
Emma zog die Nuss zu sich.
Fritz hielt sie fest.
„Ich habe sie zuerst gesehen!“, sagte Emma.
„Aber ich habe sie zuerst gerochen“, erwiderte Fritz. „Meine Nase war schon da, als deine Augen noch hinter dem Busch steckten.“
„Nasen zählen nicht!“
„Meine schon. Sie kann sogar bis drei schnuppern.“
Fritz schnupperte dreimal. Emma musste beinahe lachen. Aber nur beinahe.
Sie hatte den ganzen Morgen nach einer Nuss gesucht. In ihrem Vorratsversteck lagen bloß noch drei trockene Blätter. Die hatte sie gestern für Nüsse gehalten, weil es unter der Wurzel so dunkel gewesen war.
Fritz wiederum wollte heute etwas Besonderes knabbern. Keine Beere. Keinen Apfel. Eine Nuss.
Über ihnen raschelten die kahlen Haselzweige. Keine einzige Nuss hing mehr daran.
„Die letzte“, murmelte Emma.
„Dann ist sie besonders wichtig“, sagte Fritz.
„Dann lass los.“
„Du zuerst.“
„Du!“
„Du mit dem Wuschelschwanz!“
„Du mit der Schnuppernase!“
„Hatschi!“, machte es neben ihnen.
Mimi Maus saß auf einer Wurzel. Ein Grashalm kitzelte ihre Nase.
„Ihr klingt wie zwei quietschende Gartentüren“, sagte sie. „Was ist denn los?“
Emma und Fritz erklärten es. Gleichzeitig natürlich.
Mimi legte die Ohren an.
„Nacheinander wäre hübscher.“
Als beide fertig waren, kam Piet Igel aus dem Laub. Er betrachtete die Nuss und dann die beiden festgeklammerten Pfoten.
„So könnt ihr sie jedenfalls nicht essen“, stellte er fest.
„Wir machen einen Wettlauf!“, rief Emma. „Wer gewinnt, bekommt sie.“
Fritz spitzte die Ohren.
„Einverstanden. Meine Beine haben heute ohnehin nichts vor.“
Piet öffnete den Mund. Doch Emma und Fritz waren schon damit beschäftigt, eine Startlinie in die Erde zu malen.
Auf die Plätze, Nuss, los!
Die Strecke führte von der alten Hasel zum Bach, um den großen Stein herum und zurück bis zu Brunos Baumstumpf.
Dort sollte die Nuss warten.
Bruno Bär nahm sie vorsichtig zwischen zwei Krallen.
„Ich passe auf“, versprach er. „Obwohl sie ziemlich klein ist.“
„Die ist riesig!“, sagte Emma.
Bruno hielt sie vor seine Nase.
„Dann bin wohl ich ziemlich groß.“
Mimi stellte sich an die Startlinie. Piet blieb neben ihr.
„Bereit?“, piepste Mimi.
Emma duckte sich. Fritz wackelte mit den Hinterpfoten.
„Auf die Plätze, Nuss, los!“
Emma schoss davon.
Fritz flitzte hinterher.
Erst lag Emma vorn. Sie sprang über Wurzeln, huschte unter Zweigen hindurch und rief: „Bis gleich, Schnuppernase!“
Doch auf dem breiten Waldweg holte Fritz auf.
„Ich bestelle schon mal einen Nussteller!“, rief er.
Am Bach wurden beide langsamer. Drei flache Steine führten über das Wasser.
Emma sprang auf den ersten.
Dann auf den zweiten.
Beim dritten rutschte ihre Pfote ab.
Plitsch!
Sie landete mit beiden Hinterfüßen im flachen Wasser.
„Kalt! Kalt! Sehr nass und sehr kalt!“
Fritz stand schon auf der anderen Seite. Der große Stein war ganz nah. Jetzt musste er nur weiterlaufen.
Er sah zurück.
Emma versuchte, auf den glatten Stein zu klettern. Ihr nasser Schwanz zog eine dunkle Spur durchs Wasser.
Fritz seufzte.
„Dein Schwanz hat wohl beschlossen, ein Fisch zu werden.“
Er ging zurück und hielt ihr einen langen Ast hin.
„Hier. Festhalten.“
Emma packte zu. Fritz zog. Mit einem schmatzenden Geräusch kamen ihre Füße aus dem weichen Bachgrund.
„Danke“, sagte sie leise.
„Bitte. Aber jetzt wird weitergerannt.“
Sie liefen um den großen Stein. Emma schüttelte unterwegs ihren Schwanz.
Eine Ladung Wassertropfen traf Fritz mitten ins Gesicht.
„He!“
„Entschuldigung!“
„Jetzt hat meine Nase auch gebadet.“
Diesmal lachte Emma richtig.
Wer bekommt das letzte Stück?
Auf dem Rückweg führte ein schmaler Pfad durch dichtes Gebüsch. Emma schlüpfte mühelos hindurch.
Hinter ihr machte es: „Ratsch!“
Dann: „Ähm.“
Emma drehte sich um.
Fritz stand still. Eine lange Brombeerranke hatte sich um seine Hinterpfote gewickelt. Sobald er einen Schritt machte, zog sie sich fest.
Vor Emma lag der freie Weg. Zwischen den Bäumen konnte sie schon Bruno erkennen.
„Du kannst ruhig laufen“, sagte Fritz. „Ich verhandele inzwischen mit diesem Busch.“
Emma blickte zum Baumstumpf.
Dann zu Fritz.
„Der Busch sieht nicht besonders gesprächig aus.“
Sie hüpfte zurück. Vorsichtig hob sie die Ranke an und schob sie über Fritz’ Pfote. Ein Blatt blieb an seinem Fell hängen.
„So. Frei.“
Fritz betrachtete das Blatt.
„Steht mir das?“
„Wie ein Salat hinterm Ohr.“
Gemeinsam liefen sie weiter. Nicht mehr ganz so schnell. Emma hüpfte neben Fritz her, und Fritz passte seine Schritte an ihre an.
Als sie beim Baumstumpf ankamen, rief Mimi: „Wer war zuerst da? Ich konnte es nicht sehen!“
Bruno kratzte sich am Kopf.
„Ich auch nicht. Ich habe gerade gegähnt.“
Emma sah Fritz an.
Fritz sah Emma an.
Piet wartete.
„Eigentlich“, begann Emma, „hättest du gewonnen, wenn du mir nicht geholfen hättest.“
„Und du hättest gewonnen, wenn du mich beim Brombeerbusch gelassen hättest“, sagte Fritz.
Mimi legte den Kopf schief.
„Dann hat vielleicht der Brombeerbusch gewonnen?“
„Der bekommt nichts“, sagte Fritz entschieden.
Bruno hielt ihnen die Nuss hin.
Emma rollte sie zwischen ihren Pfoten. „Können wir die aufmachen?“
„Das lässt sich einrichten“, sagte Bruno.
Mit einem flachen Stein knackte er vorsichtig die Schale. Darin lagen zwei goldbraune Nusshälften.
Emma nahm eine und gab Fritz die andere.
Sie setzten sich auf den Baumstumpf. Mimi kuschelte sich dazwischen. Piet raschelte näher heran, und Bruno machte es sich im Laub gemütlich.
Knusper.
Knusper.
„Ein bisschen wenig“, sagte Fritz.
Emma nickte. Dann rückte sie näher an ihn heran. Ihr Schwanz war noch feucht, aber Fritz’ Fell war warm.
„Morgen suchen wir zusammen“, sagte sie.
„Abgemacht. Du schaust, ich schnuppere.“
Mimi hob eine Pfote.
„Und ich quietsche, wenn ich eine finde!“
Zum Weiterdenken
Warum sind Emma und Fritz beim Wettlauf stehen geblieben? Wie hätten sie die Nuss noch teilen können? Mit wem würdest du gern auf Nusssuche gehen?