Geschichten · Kurze Kindergeschichten

Emma baut ein Baumhaus

Emma braucht Hilfe und traut sich nicht zu fragen.

  • Veröffentlicht: 03.04.2026
  • Alter: 3–6 Jahre
  • 6 Minuten Vorlesezeit
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Emma Eichhörnchen saß auf einer dicken Astgabel und ließ die Beine baumeln. Über ihr raschelten die Blätter. Unter ihr lag der Freche-Maus-Wald, grün und golden im Morgenlicht.

„Genau hier“, sagte Emma. „Hier baue ich mein Baumhaus.“

Es sollte ein rundes Fenster bekommen. Eine Bank für gemütliche Nachmittage. Und einen Korb, den man an einer Schnur hochziehen konnte.

„Für Nüsse“, sagte Emma. „Und Himbeeren. Und besonders wichtige Kekse.“

Sie hüpfte vom Ast, flitzte am Stamm hinunter und machte einen Purzelbaum ins Moos. Dann sammelte sie Bretter, kurze Stöcke und ein langes Seil. Auf ein großes Blatt malte sie ihren Plan.

Das Baumhaus sah prächtig aus.

Jetzt musste es nur noch ein richtiges werden.

Ein Brett mit eigenem Kopf

Emma legte ein Brett quer auf einen niedrigen Ast. Sie schob es nach links. Dann nach rechts.

„Bleib bitte genau da.“

Das Brett rutschte ins Gras.

Emma holte es wieder hinauf.

Diesmal hielt sie es mit beiden Pfoten fest. Aber nun hatte sie keine Pfote mehr frei, um das Seil darumzuwickeln.

Sie versuchte es mit dem Fuß.

Sie versuchte es mit dem Ellenbogen.

Sogar ihre Nase durfte helfen.

„Mmpf“, machte Emma.

Das Brett kippte. Emma sprang auf den breiten Nachbarast. Unten landete das Brett mit einem weichen Plumps im Moos.

Da kam Mimi Maus vorbei. Sie trug eine Walderdbeere, die fast so groß war wie ihr Kopf.

„Was machst du da?“

Emma richtete ihren buschigen Schwanz auf.

„Ein Baumhaus! Mit Fenster und Bank und Kekskorb.“

„Oh! Kann ich etwas tun?“

Emma wollte sofort Ja sagen. Das Wort saß schon vorne auf ihrer Zunge.

Doch dann dachte sie: Mimi ist so klein. Bestimmt findet sie es komisch, wenn ich ein Brett nicht allein festhalten kann.

„Nein, nein“, sagte Emma schnell. „Ich probiere nur verschiedene Bauweisen.“

Mimi betrachtete das Brett im Moos.

„Die Hinunterplumps-Bauweise?“

Emma kicherte ein bisschen.

„Genau die.“

„Dann guten Plumps!“, sagte Mimi. Sie legte die Erdbeere auf Emmas großes Blatt. „Für die Baupause.“

Als Mimi fort war, setzte Emma sich neben das Brett.

Die Erdbeere duftete süß.

Ihr Bauch fühlte sich trotzdem ganz knotig an.

Ein winziges Wort

Gegen Mittag wurde es warm. Emma hatte drei Knoten gebunden. Einer ging wieder auf. Einer ließ sich überhaupt nicht mehr öffnen. Und der dritte hielt ihren Schwanz am Seil fest.

„Das ist kein besonders gutes Baumhaus“, murmelte sie. „Das ist eine Schwanzangel.“

Vorsichtig befreite sie sich.

Auf dem Waldweg knirschten Schritte. Piet Igel kam mit einer kleinen Tasche voller Bucheckern vorbei.

Er blieb stehen.

„Dein Seil sieht beschäftigt aus.“

„Es übt Knoten“, sagte Emma.

Piet nickte ernst. „Manche Seile brauchen dafür länger.“

Emma musste lachen. Dann sah sie wieder auf ihr Blatt.

„Auf dem Bild ging alles viel leichter.“

Piet setzte sich neben sie, mit etwas Abstand zum Seil.

„Was ist denn schwierig?“

Emma strich über die gemalte Bank.

„Nichts. Also … ein bisschen das Festhalten. Und das Hochheben. Und das Geradehalten. Und vielleicht das Dach.“

„Das sind ziemlich viele Dinge für zwei Pfoten.“

Emma zupfte an einem Grashalm.

„Ich wollte es aber allein schaffen.“

Piet wartete. Ein Käfer krabbelte über seinen Schuh.

„Und wenn ich frage“, sagte Emma leise, „denken die anderen vielleicht, dass ich gar nicht bauen kann.“

Piet betrachtete das Bild.

„Ich kann gut messen“, sagte er. „Aber auf einen Baum klettern? Da würde ich lieber dich fragen.“

Emma schaute ihn an.

„Mich?“

„Natürlich. Du bist flink wie ein hüpfender Gedanke.“

Emma lächelte. Dann atmete sie tief ein.

„Piet? Würdest du mir helfen?“

Das letzte Wort war sehr klein.

Piet hörte es trotzdem.

„Gern. Soll ich zuerst den Knoten anschauen oder das Brett?“

Emma zeigte auf das Seil.

„Den Knoten. Ich glaube, der hat inzwischen Wurzeln.“

Viele Pfoten, ein Baumhaus

Am Nachmittag lag Emmas Plan mitten auf der Wiese. Piet hatte ihn mit vier Kieseln beschwert.

Daneben standen Mimi, Fritz Fuchs und Bruno Bär.

Emma wippte auf den Zehenspitzen.

„Also“, begann sie. „Ich brauche Hilfe.“

Niemand lachte.

Bruno nickte gemütlich.

„Gut, dass du fragst. Ich habe heute noch gar nichts hochgehoben außer meinem Frühstück.“

„Das war allerdings ein stattliches Frühstück“, bemerkte Fritz.

Mimi hüpfte auf einen Kiesel.

„Was soll ich machen?“

Emma zeigte auf die Astgabel. Sie lag so niedrig, dass Bruno bequem hinaufreichen konnte.

„Bruno könnte die Bretter halten. Piet kann messen. Fritz, kannst du Knoten binden?“

Fritz machte eine kleine Verbeugung.

„Knoten, Schleifen und gelegentlich meine eigenen Beine.“

„Und ich?“, fragte Mimi.

Emma überlegte.

„Du kommst zwischen die Bretter. Kannst du die Seilenden hindurchreichen?“

„Endlich eine Arbeit für eine richtig große Maus!“

Nun wurde gehoben, gemessen und gereicht. Emma sprang von Ast zu Ast und zeigte, wo jedes Brett liegen sollte.

„Ein bisschen höher, Bruno!“

„So?“

„Perfekt!“

„Das Seil zu mir!“, rief Fritz.

Aus einer schmalen Lücke erschien Mimis Pfote.

„Sonderlieferung!“

Piet prüfte jedes Brett, bevor Emma darauftrat. Fritz zog die Knoten fest. Bruno hielt geduldig alles an seinem Platz.

Bald gab es einen Boden. Dann zwei Seitenwände und eine Rückwand. Vorn blieb Platz für den Eingang.

Beim Fenster stockte die Arbeit.

Emma wollte es rund. Die übrigen Bretter waren aber alle gerade.

„Ein rundes Fenster aus geraden Brettern“, murmelte Piet.

Fritz legte den Kopf schief.

„Vielleicht müssen wir nur rund genug gucken.“

Mimi spähte durch die viereckige Öffnung.

„Huhu! Funktioniert auch eckig!“

Emma lachte. Sie holte biegsame Zweige und wand sie zu einem Ring. Den befestigten sie vor dem Fenster.

„Jetzt hat es runde Gedanken und eckige Ecken“, sagte Fritz.

Zum Schluss kam das Dach darauf. Bruno reichte die letzten Bretter hoch. Emma befestigte den Korb an seiner Schnur.

Sie zog.

Der Korb stieg.

Sie ließ die Schnur langsam gleiten.

Der Korb sank.

„Keksverkehr eröffnet!“, rief sie.

Bruno legte sofort einen Keks hinein.

Zum Weiterdenken

Emma setzte sich auf die neue Bank. Mimi kuschelte sich neben sie. Fritz lehnte am Fenster, Piet blieb am Eingang, und Bruno saß draußen auf einem Baumstumpf. Durch das offene Fenster konnte er bequem hereinsehen. Der Korb wanderte zwischen ihnen hin und her. Emma strich zufrieden über das Holz. „Morgen bauen wir noch ein Schild“, sagte sie. „Helft ihr wieder mit?“ Was könnte auf Emmas Schild stehen? Wie hat sie sich wohl gefühlt, als sie Piet gefragt hat? Bei welcher Sache würdest du gern jemanden um Hilfe bitten?

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