Kinderlieder · Schlaflieder
Der Mond ist aufgegangen
Ein vertrautes Abendlied über den Mond, die stille Nacht, Geborgenheit und die Bitte um friedlichen Schlaf.
Liedtext
Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.
Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.
Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.
Wir stolzen Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder,
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste,
Und kommen weiter von dem Ziel.
Gott, lass uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Lass uns einfältig werden,
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!
Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Lass uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!
So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen,
Und lass uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!
Herkunft
Der Text stammt von Matthias Claudius und erschien 1779 unter dem Titel „Abendlied“. Die heute gebräuchlichste Melodie komponierte Johann Abraham Peter Schulz 1790. Text und Melodie stammen aus dem 18. Jahrhundert und sind gemeinfrei. Wiedergegeben ist die verbreitete siebenstrophige Fassung mit behutsam modernisierter Rechtschreibung.
Bedeutung
Das Lied führt vom Anblick des Abendhimmels zur Ruhe und zum Nachdenken. Mond, Sterne, Wald und Nebel schaffen eine friedliche Stimmung. Der nur teilweise sichtbare Mond erinnert daran, dass wir nicht alles erkennen oder verstehen können. Später wird das Lied zu einem christlichen Gebet um Vertrauen, einen sanften Tod und behüteten Schlaf. Am Schluss denkt es ausdrücklich auch an den kranken Nachbarn. Mit Kindern lässt es sich langsam und leise als Abendritual singen; für jüngere Kinder genügen zunächst die ersten drei Strophen. Ungewohnte Wörter und ernste Themen können Erwachsene ruhig erklären. „Einfältig“ bedeutet hier schlicht und ungekünstelt, nicht dumm.
Spielidee
Die Kinder formen mit den Armen einen runden Mond, lassen die Finger als Sterne funkeln und bewegen die Hände wie aufsteigenden Nebel. Zum Schluss legen alle die Hände unter eine Wange und werden ganz still.