Geschichten · Gute-Nacht-Geschichten

Das Geheimnis des Silbersees

Die fünf Freunde wandern zum See und entdecken, warum er im Mondlicht leuchtet.

  • Veröffentlicht: 05.01.2026
  • Alter: 4–8 Jahre
  • 7 Minuten Vorlesezeit
Auf Pinterest merken

Mimi Maus stand auf einem Baumstumpf und hielt ein Blatt vor ihr linkes Auge.

„Was machst du da?“, fragte Emma Eichhörnchen.

„Ich schaue durch mein Fernrohr.“

„Das ist ein Blatt.“

„Ein sehr gutes Fernrohrblatt“, sagte Mimi. „Es hat sogar ein Loch.“

Sie spähte hindurch. Zwischen den Bäumen des Freche-Maus-Waldes lag ein schmaler Streifen Wasser. Er glänzte in der Nachmittagssonne.

Piet Igel setzte sich neben den Baumstumpf. „Das ist der Silbersee.“

„Warum heißt er so?“, fragte Emma.

„Weil er im Mondlicht leuchtet.“

Mimi ließ ihr Blatt sinken. „Ein leuchtender See? Das müssen wir untersuchen!“

„Untersuchen klingt anstrengend“, brummte Bruno Bär, der gerade mit Fritz Fuchs vorbeikam. „Gibt es dabei etwas zu essen?“

Fritz hob seinen Korb. „Brombeerbrötchen.“

Bruno nickte zufrieden. „Ich bin bereit für die Wissenschaft.“

Ein Weg voller kleiner Entdeckungen

Bald wanderten die fünf Freunde zwischen Farnen und hohen Buchen hindurch. Mimi ging voraus. An ihrem Wanderstock baumelte ein winziges Bündel mit Käse.

Emma sprang von einer Wurzel zur nächsten.

„Vielleicht wohnen silberne Fische im See“, sagte sie.

„Vielleicht putzen sie jeden Abend ihre Schuppen“, meinte Fritz. „Mit winzigen Bürsten.“

Bruno stellte sich einen Fisch mit Zahnbürste vor und musste so lachen, dass sein Brotbeutel hüpfte.

Piet trug eine kleine Laterne. Noch brauchten sie ihr Licht nicht. Die Sonne malte goldene Flecken auf den Weg.

An einer Weggabelung blieb Mimi stehen.

Links führte ein breiter Pfad bergauf. Rechts verschwand ein schmaler Weg zwischen Haselsträuchern.

„Wo lang?“

Fritz schnupperte nach links. Dann nach rechts.

„Rechts riecht es nach Wasser.“

„Links riecht es nach Pilzen“, sagte Bruno hoffnungsvoll.

Piet betrachtete den Boden. Im feuchten Sand waren Entenspuren zu sehen. Sie führten nach rechts.

„Ich würde den Enten vertrauen.“

„Dann hinterher!“, rief Mimi.

Der Weg wurde schmaler. Bald kamen sie an einen Bach. Er murmelte zwischen runden Steinen. Eine kleine Holzbrücke führte hinüber, doch ein Brett lag schief.

Mimi setzte vorsichtig eine Pfote darauf. Es wackelte.

„Huch. Eine Tanzbrücke.“

„Warte“, sagte Piet.

Gemeinsam schoben Fritz und Bruno das Brett zurück an seinen Platz. Emma holte einen flachen Stein. Piet klemmte ihn unter die wackelnde Ecke.

Mimi probierte es noch einmal.

„Jetzt tanzt sie nicht mehr.“

Einer nach dem anderen ging hinüber. Bruno zuletzt. Er machte besonders kleine Schritte.

Auf der anderen Seite wartete Emma mit ausgestreckten Armen.

„Willkommen am anderen Bachufer! Hier sieht alles völlig anders aus!“

Fritz schaute sich um. „Stimmt. Wir sehen die Brücke jetzt von hinten.“

Das Rätsel am Ufer

Als sie den Silbersee erreichten, hing die Sonne tief über den Baumwipfeln.

Das Wasser war still. Schilf wuchs am Ufer. Weiter draußen trieb ein rundes Blatt, auf dem eine Libelle saß.

Mimi stemmte die Pfoten in die Seiten.

„Also, ich sehe kein Silber.“

„Der Mond ist noch nicht da“, sagte Piet.

„Dann essen wir, bis er kommt“, schlug Bruno vor.

Sie breiteten eine Decke unter einer Weide aus. Es gab Brombeerbrötchen, Haselnüsse und Mimis Käse. Fritz hatte außerdem fünf kleine Äpfel mitgebracht.

Bruno biss in einen hinein. Knack!

Vom Ufer kam ein zweites Knacken.

Alle hielten still.

Dann schob sich eine Ente durchs Schilf. In ihrem Schnabel steckte ein trockener Halm.

„Guten Abend“, sagte Mimi. „Weißt du, warum der See nachts leuchtet?“

Die Ente legte den Kopf schief.

„Quak.“

„Eine kurze Antwort“, murmelte Fritz. „Aber schwer zu übersetzen.“

Während Bruno die Krümel einsammelte, begannen die anderen ihre Untersuchung.

Emma entdeckte helle Steinchen am Ufer.

„Vielleicht sind das Silbersteine!“

Sie hielt einen ins letzte Sonnenlicht. Er funkelte.

Mimi füllte etwas Seewasser in ihren Trinkbecher und stellte ihn daneben.

„Wenn das Wasser selbst leuchtet, müsste es im Becher auch leuchten.“

Piet nickte. „Das probieren wir aus.“

Fritz fand ein Stück glatte Baumrinde. Er ließ es am Rand des Sees schwimmen.

„Mein Forschungsschiff“, verkündete er.

„Es fährt rückwärts“, bemerkte Emma.

„Dann erforscht es eben die Vergangenheit.“

Langsam wurde der Himmel violett. Ein erster Stern erschien. Piet zündete die Laterne an und stellte sie auf einen flachen Stein.

Ihr warmer Schein lag auf dem Wasser.

Direkt vor ihnen entstand ein zitternder goldener Streifen.

Mimi beugte sich vor.

„Da! Der See fängt an!“

Piet hob die Laterne hoch.

Der goldene Streifen wanderte mit.

Er stellte sie hinter seinen Rücken.

Der Streifen verschwand.

Mimis Ohren zuckten.

„Mach das noch mal.“

Eine Straße aus Mondlicht

Piet hielt die Laterne wieder über das Ufer. Sofort tanzte ihr Licht auf den kleinen Wellen.

„Das Wasser wirft das Licht zurück“, sagte er. „Wie ein Spiegel. Nur ist dieser Spiegel nicht ganz glatt.“

Emma pustete gegen die Wasseroberfläche. Winzige Wellen liefen auseinander. Der goldene Streifen zerbrach in viele funkelnde Stücke.

„Ein Wackelspiegel!“

Da schob sich hinter den Bäumen etwas Rundes und Helles hervor.

Der Mond.

Er stieg langsam höher. Sein Licht berührte zuerst die Mitte des Sees. Dort flimmerte ein silberner Fleck.

Dann kam ein leichter Wind.

Das Schilf raschelte. Kleine Wellen liefen über das Wasser.

Plötzlich lag eine ganze Straße aus Silber vor den Freunden.

„Ooooh“, machte Bruno.

Mimi vergaß sogar, ihren Mund wieder zu schließen.

Überall blitzte und glitzerte es. Die Lichtstraße reichte beinahe bis zu ihren Pfoten.

Piet löschte die Laterne.

Nun konnten sie das silberne Leuchten noch besser sehen.

„Der See hat das Licht vom Mond“, flüsterte Mimi.

„Und die Wellen machen lauter kleine Glitzerstellen daraus“, ergänzte Piet.

Emma sah in den Trinkbecher. Auch darin lag ein kleiner heller Mond.

Sie stupste den Becher sanft an. Der Mond zerwackelte.

„Ich habe einen Mond zum Mitnehmen!“

„Nicht verschütten“, sagte Fritz.

Mimi lief ein paar Schritte am Ufer entlang. Dann blieb sie stehen.

„Die Silberstraße kommt mit mir!“

Emma hüpfte in die andere Richtung.

„Mit mir auch!“

Piet lächelte. „Von jedem Platz aus sehen wir andere Wellen aufblitzen.“

Bruno blieb gemütlich auf der Decke sitzen.

„Meine Straße bleibt hier. Sehr freundlich von ihr.“

Noch lange saßen sie unter der Weide. Fritz ließ sein Forschungsschiff ein letztes Mal am Ufer treiben und holte es dann aus dem Wasser.

Auf dem Heimweg leuchtete Piets Laterne zwischen den Bäumen.

Mimi ging neben Bruno.

„Wir haben das Geheimnis gefunden“, sagte sie.

Bruno nickte. „Und kein einziges Brombeerbrötchen verloren.“

Hinter ihnen glitzerte der Silbersee weiter.

Zum Weiterdenken

Was hättest du zuerst untersucht, um das Leuchten des Sees zu erklären? Hast du schon einmal Mondlicht im Wasser entdeckt? Was würdest du für eine Wanderung mit den fünf Freunden einpacken?

geschichtevorlesenabenteuermimi mausgute-nacht-geschichtenthema abenteuer

Weitere Geschichten