Geschichten · Tiergeschichten

Der Sturm im Freche-Maus-Wald

Ein Sturm wirft Bäume um und alle helfen beim Aufräumen.

  • Veröffentlicht: 25.04.2026
  • Alter: 4–8 Jahre
  • 6 Minuten Vorlesezeit
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Am Morgen roch der Freche-Maus-Wald nach feuchtem Moos und frischen Tannennadeln. Mimi Maus saß vor ihrer Haustür und bestrich ein Stück Brot mit Brombeermus. Gerade wollte sie hineinbeißen, da wehte ihr ein gelbes Blatt auf die Nase.

„He! Ich habe keinen Salat bestellt!“, rief sie.

Über ihr raschelten die Zweige. Nicht leise wie sonst. Sie rauschten, als würden hundert Besen gleichzeitig den Himmel fegen.

Piet Igel kam den Weg entlang. Auf seinen Stacheln klebten drei Blätter.

„Der Wind wird stärker“, sagte er. „Wir treffen uns bei Bruno. Seine Höhle liegt geschützt unter dem Felsen.“

Mimi blickte zu den wippenden Baumkronen.

„Dann nehme ich mein Brot mit“, entschied sie. „Mutig sein geht bestimmt besser mit Frühstück.“

Ein Picknick mit Windmusik

Bei Bruno Bär duftete es nach Apfeltee. Emma Eichhörnchen hatte einen Korb Nüsse mitgebracht. Fritz Fuchs trug eine Decke unter dem Arm.

„Für ein gemütliches Höhlenpicknick“, erklärte er. „Draußen sitzt mir heute die Frisur nicht.“

Sein Schwanz sah aus wie ein zerzauster Staubwedel.

Mimi kicherte. Dann pfiff der Wind um den Felsen, und sie rückte ein wenig näher zu Piet.

Bruno schloss die feste Holztür. Durch das kleine Fenster konnten sie sehen, wie die Bäume ihre Äste hin und her bewegten.

„Wir bleiben hier, bis der Sturm vorbei ist“, sagte er und stellte fünf Becher auf den Tisch.

Emma knackte eine Nuss. Fritz erzählte von einer Eichel, die ihm einmal genau in den Teebecher gefallen war.

„Plitsch!“, machte er. „Seitdem bestelle ich meinen Tee ohne Eichel.“

Mimi lachte. Trotzdem lauschte sie immer wieder nach draußen.

Ein tiefes Knacken war zu hören. Weit hinter der Wiese sank eine alte Fichte langsam zwischen die anderen Bäume. Ihre Wurzeln hoben einen großen Teller Erde an.

Mimi stellte ihren Becher ab.

„Der Baum ist umgefallen.“

Piet nickte. „Ja. Hier unter dem Felsen sind wir geschützt.“

Bruno legte die Decke über ihre Knie. Emma schob den Nusskorb in die Mitte.

Eine Weile sagten sie nichts. Sie hörten den Wind und das leise Klappern der Teelöffel.

Dann begann Mimi ein Lied. Zuerst summte sie nur. Emma summte mit. Bald sangen alle fünf, und Fritz erfand eine Strophe über fliegende Fuchssocken.

Als es Abend wurde, ließ der Sturm nach. In Brunos Höhle schliefen die Freunde auf weichen Kissen, dicht beieinander.

Ein Wald voller neuer Wege

Am nächsten Morgen schien die Sonne durch das Fenster.

Mimi war als Erste an der Tür. Sie öffnete sie einen Spalt und schnupperte.

„Es riecht nach lauter frisch gespitzten Bleistiften.“

„Nach gebrochenem Holz“, sagte Piet.

Draußen glitzerten Tropfen auf den Blättern. Überall lagen Zweige. Am Wiesenrand waren zwei Bäume umgefallen. Eine Birke lag quer über dem Weg zum Bach.

Emma setzte zu einem Sprung an.

„Ich schaue von oben nach!“

„Heute lieber vom Boden aus“, sagte Piet. „In den Kronen könnten noch lose Äste hängen.“

Emma blieb stehen. „Dann bin ich eben ein Bodeneichhörnchen.“

Gemeinsam schauten sie sich um. Sie hielten Abstand zu schiefen Bäumen und hängenden Zweigen. Bruno prüfte den Platz neben der Wiese. Dort stand kein beschädigter Baum.

„Hier können wir sammeln“, sagte er.

Fritz stellte einen umgekippten Korb wieder auf.

„Zweigparkplatz eröffnet! Kleine Zweige links, größere rechts. Zapfen dürfen selber einparken.“

Mimi wollte lachen. Doch dann sah sie ihren schmalen Lieblingsweg. Er war unter einem Haufen Reisig verschwunden.

Dort ging sie sonst zum Bach. Dort kannte sie jeden Kiesel.

Jetzt sah alles anders aus.

„Das schaffen wir nie“, murmelte sie.

Bruno hockte sich neben sie. „Welches Stück möchtest du zuerst wiedersehen?“

Mimi zeigte auf einen runden Stein, der halb unter Blättern steckte.

„Den da. Das ist mein Pausenstein.“

„Dann fangen wir dort an.“

Mimi zog einen dünnen Zweig fort. Darunter lag noch einer. Und noch einer.

Emma kam dazu und sammelte die kleinen Äste ein. Piet schob feuchtes Laub mit einem breiten Rindenstück beiseite.

Plötzlich war der Stein wieder da.

Mimi strich über seine glatte Oberfläche.

„Hallo, du“, flüsterte sie. „Da bist du ja.“

Mimis großer kleiner Schritt

Nun wurde es geschäftig auf der Wiese.

Bruno trug dickere, lose Äste zum Sammelplatz. Fritz zog sie auf einer alten Decke hinter sich her. Emma flitzte mit Tannenzapfen hin und zurück.

Piet sortierte krumme Zweige.

„Die können am Rand liegen bleiben“, sagte er. „Darunter finden Käfer und Asseln ein Zuhause.“

Mimi schleppte einen Ast, der doppelt so lang war wie sie selbst. Er blieb an einer Wurzel hängen.

Sie zog. Sie schob. Sie stemmte beide Füße in den Boden.

Der Ast rührte sich nicht.

Mimi schaute zu den anderen. Alle hatten etwas zu tun. Sie wollte so gern allein mit ihrem großen Ast am Sammelplatz ankommen.

Noch einmal zog sie. Ihre Pfoten wurden müde.

Dann holte sie tief Luft.

„Bruno? Kannst du mir helfen?“

„Natürlich.“

Gemeinsam hoben sie den Ast über die Wurzel.

„Du vorne, ich hinten“, bestimmte Mimi.

„Jawohl, Frau Astkapitänin.“

Am Mittag war die Wiese wieder frei. Nur die Birke versperrte noch den Weg zum Bach. Ihr Stamm war viel zu schwer, selbst für Bruno.

Mimi betrachtete ihn. Dann schaute sie nach rechts.

Zwischen zwei Haselbüschen war eine Lücke.

„Vielleicht muss der Baum gar nicht weg.“

Fritz legte den Kopf schief. „Soll der Bach zu uns kommen? Ich könnte ihm eine Einladung schreiben.“

„Nein!“ Mimi grinste. „Wir gehen außen herum.“

Hinter den Büschen lag ein Stück Wiese. Es führte bis zum alten Bachweg. Nur ein paar Zweige lagen darauf.

Mimi spürte ein kleines Kribbeln im Bauch. Der neue Weg war noch ganz unbekannt.

„Piet, kommst du mit?“

„Gern.“

Sie gingen nebeneinander. Emma sammelte die Zweige auf. Fritz markierte den Abzweig mit hellen Kieseln, und Bruno trug den Picknickkorb hinterher.

Bald plätscherte der Bach vor ihnen.

„Geschafft!“, rief Mimi.

Sie setzten sich ins Gras und teilten Brot, Nüsse und Äpfel. Mimis Pfoten waren schmutzig. Ihre Beine waren müde.

„Morgen räumen wir weiter“, sagte Bruno.

Mimi nickte und lehnte sich an seinen weichen Bauch.

Ein sanfter Wind strich über die Wiese. Er bewegte einen Grashalm neben ihrer Nase.

„Heute bitte ohne Salat“, sagte sie.

Und Fritz lachte so sehr, dass ihm beinahe eine Nuss aus der Pfote kullerte.

Zum Weiterdenken

Wann hat sich in deinem Bauch schon einmal ein mutiges Kribbeln gezeigt? Wen könntest du um Hilfe bitten, wenn etwas allein zu schwer ist? Was würdest du aus den gesammelten Zweigen bauen?

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